Die duale Ausbildung ist kein Auslaufmodell. Sie ist eines der stärksten Aufstiegsversprechen unseres Landes. Wer eine Ausbildung macht, lernt nicht nur für Prüfungen, sondern übernimmt Verantwortung, schafft Werte, steht mitten im Leben und kann aus eigener Kraft beruflich aufsteigen.
Trotzdem steht die duale Ausbildung in Hamburg unter Druck. Zu viele junge Menschen finden keinen passenden Ausbildungsplatz. Gleichzeitig bleiben viele Stellen unbesetzt. Zu viele Betriebe wollen ausbilden, verlieren sich aber in Zuständigkeiten, Formularen und unübersichtlichen Förderstrukturen. Zu viele Jugendliche erleben berufliche Bildung noch immer als zweite Wahl, obwohl sie längst erster Weg in Selbstständigkeit, Fachkräftekarriere, Meister, Techniker, Studium oder Gründung sein kann.
Wir Liberale setzen auf starke, autonome Individuen. Dazu gehört, dass junge Menschen früh echte Praxis erleben können, ihre Talente entdecken und unabhängig von Elternhaus, Herkunft und finanzieller Lage ihren eigenen Weg gehen können. Eine moderne Ausbildungspolitik darf deshalb nicht erst dann reagieren, wenn Jugendliche bereits verloren gegangen sind. Sie muss Orientierung geben, Chancen öffnen und Leistung sichtbar machen.
Hamburg braucht daher kein neues Förderdickicht, keine neue Behörde und kein weiteres Antragsmonster. Hamburg braucht ein schlankes, digitales und talentorientiertes Ausbildungssystem mit klaren Zuständigkeiten, einfachen Zugängen, pauschalisierten Budgets, messbarer Wirkung und konsequenter Ausrichtung auf Zukunftsbranchen.
Wir fordern daher, die duale Ausbildung in Hamburg entlang folgender Leitentscheidungen und Maßnahmen weiterzuentwickeln:
1. Beste Berufsschulen durch Wettbewerb
Das deutsche System der dualen Ausbildung ist ein international angesehenes
Erfolgsmodell, dessen Finanzierung bereits heute durch weitgehend private
Finanzierung funktioniert. Jedoch reizt das System in Hamburg noch lange nicht die
Möglichkeiten der Qualitätsoptimierung aus. Momentan befinden sich viele
Berufsschulen in kommunaler Trägerschaft. Mit dieser gehen die staatliche Kontinuität
an gleichbleibender – im Zweifel begrenzt qualitativer – Lehrqualität einher.
Tendenziell höheren Kosten, mit einem kaum bestehenden Anreizsystem, zur Beendigung
dessen einher. Hier bedarf es eines Paradigmenwechsels:
Wir fordern daher die stückweise Überführung von Berufsschulen, die sich aktuell in
kommunaler Trägerschaft befinden, in private Trägerschaften zu überführen. Die bisher
bestehenden Fördergelder des Landes und der Kommune sollen folglich gebündelt werden
und den Auszubildenden in Form eines Bildungsgutscheines zur Verfügung gestellt
werden. Diese Bildungsgutscheine erhalten dann die Betriebe, bei welchen die
Auszubildenden lernen. Der Betrieb kann nur frei mit seinem Bildungsgutschein eine
Berufsschule in Hamburg wählen, die der Auszubildende besucht.
So entsteht für Berufsschulen ein marktwirtschaftlicher Wettbewerb, der zu einer
andauernden Qualitätssteigerung in Service sowie der Lehre zu einem möglichst
geringen Preis führt.
2. Ausbildungsberufe ernst nehmen: Talente fördern.
Viele Auszubildende verfügen über enormes Talent in ihrem Handwerk. Einstweilen wird
dies jedoch kaum in Form von Stipendien gefördert. Hierdurch geht einiges an
Potential verloren, indem akademische Bildungswege Spitzenleistungen in handwerklichen
Ausbildungen gesellschaftlich schlechter gestellt werden. Wir fordern daher die
Bildung eines Hamburger Exzellenzpfades für besonders leistungsstarke Auszubildende.
Jenes soll in Form eines Stipendiums ausgestaltet sein, das handwerkliche
Spitzenleistungen nach außen hin sichtbar machen und auch finanziell unterstützen.
Auch sollen durch die Stipendien gezielt Alumni-Netzwerke aufgebaut werden, die in
Form von Mentoring-Programmen genutzt werden.
3. Azubi-Erasmus realisieren
Zeit im Ausland zu verbringen und in seinem Fachbereich internationale Erfahrungen zu
sammeln, ist für Studenten durch die Erasmus-Programme der Europäischen Union ein
beinahe alltäglicher Prozess. Vergleichbare Möglichkeiten existieren bisher für
Auszubildende jedoch nicht. Auch Auszubildende sollen von den großartigen Vorteilen
eines Auslandsaufenthaltes profitieren dürfen! Hamburg soll sich daher auf
Bundesebene dafür einsetzen über die Bundesregierung einen entsprechenden Prozess der
Gesetzgebung der Europäischen Union anstoßen, um ein, dem Erasmus-Programm
entsprechendes Programm für Auszubildende möglich zu machen.
Bezüglich der Dauer des Programms sollen Vertreter von Betrieben und Auszubildende
gehört werden. Den Auszubildenden soll folglich ein Anspruch auf die Realisierung
eines Azubi-Erasmus-Programms in der festgelegten Dauer zustehen.
Den Berufsschulen und Betrieben sollen hierfür standardisierte Prozesse für
Lernvereinbarungen, Versicherung, Anerkennung und Vertretung zur Verfügung gestellt
werden.