I. Vorwort:
Erfolgreiche Integration heute ist Schlüssel zum Aufstieg von morgen!
Mit zunehmender Migration nach Deutschland haben auch immer mehr Kinder einen Migrationshintergrund. Uns Junge Liberale besorgen gerade daher aktuelle Statistiken sehr, die ein klares Ergebnis zeigen: Kinder, die nicht fremd- oder zweisprachig aufgewachsen sind, haben bessere Chancen, eine weiterführende Schule zu besuchen und ein Abitur erfolgreich zu absolvieren. Dies bedeutet heruntergebrochen vor allem eines:
Der Bildungserfolg und die an jenen anknüpfenden beruflichen Perspektiven von Kindern hängen in Deutschland stark vom Elternhaus ab.
Wir Liberale setzen auf Eigenverantwortung von starken und autonomen Individuen. Hierzu ist es notwendig, dass Kinder von Anfang an eine vergleichbare, herausragende Bildung – unabhängig von ihren jeweiligen Elternhäusern – vollständig genießen dürfen. Erst wenn ein Mensch integrale Fähigkeiten, wie Lesen, Schreiben und Sprechen der deutschen Sprache, beherrscht, kann er gleichberechtigt am deutschen Bildungswesen teilnehmen und seines eigenen Glückes Schmied werden.
Wir fordern daher, folgende Maßnahmen umgehend in Hamburger Schulen und Kitas zu verankern, um dem Aufstiegsversprechen in der Hansestadt wieder eine Zukunft zu schaffen.
II. Maßnahmen für Vorschul- und Kitakinder
Die PISA-Studien zeigen immer wieder einen Fakt auf: Die Fähigkeit, naturwissenschaftliche, gesellschaftswissenschaftliche oder mathematische Aufgaben erfolgreich zu lösen, hängt zu weiten Teilen von der Lesekompetenz der Kinder ab.
Dies liegt daran, dass beinahe jeder Lerngegenstand sprachlich vermittelt wird – sowohl die Aufgaben als auch Lösungen sind primär in Texte gefasst. Weitreichende Kompetenzen in Sprache und damit einhergehendem Textverständnis sind für gleichberechtigte Bildungschancen von Kindern aus verschiedensten Elternhäusern daher der Schlüssel zum Bildungserfolg.
Eine liberale Bildungspolitik muss daher genau hier ansetzen: Wer Sprachförderung aufgrund der vermeintlichen Entscheidungsfreiheit von Eltern pauschal ablehnt, nimmt einen teils erheblich geminderten Bildungserfolg von deren Kindern in Kauf. Dies darf einer liberalen Bildungspolitik nicht genügen.
Spricht ein Kind bei seiner Einschulung derart mangelhaftes Deutsch, dass es dem Unterricht nicht folgen kann, ist es von Beginn seiner Schulzeit an seiner eigenen Bildung benachteiligt. Häufig beginnt hier bereits das relative Scheitern des Bildungserfolgs von Kindern aus nicht deutschsprachigen Elternhäusern. Das bisher bestehende Hamburger Sprachförderkonzept setzt zu spät an, um diese Probleme ernstzunehmend zu lösen, bedarf es daher einer Überarbeitung.
Wir fordern daher:
- Grundsätzlich wissen Eltern am besten, was für ihre Kinder am besten ist. Eine allgemeine Kita-Pflicht lehnen wir daher strikt ab. Kinder müssen jedoch zum Zeitpunkt der Einschulung Deutsch auf einem schulfähigen Niveau sprechen können. Wir fordern daher, Kinder zwei Jahre vor ihrer regulären Einschulung (mit Vier Jahren) einem verpflichtenden Sprachscreening zu unterziehen, um so die Sprachfähigkeiten der Kinder zu dokumentieren und ihren individuellen Förderbedarf danach zu bemessen. Bei Kindern, deren Sprachvermögen bereits als mangelhaft oder als gerade noch ausreichend erachtet wird, soll diese Testung ein Jahr später wiederholt werden. Wird das Sprachniveau zu jenem Zeitpunkt als nicht ausreichend beurteilt, fordern wir die Anwendung folgender Forderungen.
- Verfügt ein Kind über mangelhafte Deutschkenntnisse für das bis dato bestehende Alter, fordern wir eine Kita-Pflicht für den bis zu dem Beginn der Einschulung andauernden Zeitraum in deutschsprachigen Kitas. Jene soll entsprechend der Gesetzgebung der Schulpflicht vollstreckt werden.
- Die kostenlose Kitabetreuung für alle Kinder soll über die bisher bestehende Grundbetreuung von fünf auf acht Stunden ausgebaut werden. Um auch Eltern in Schicht- und Nachtarbeit nicht zu vernachlässigen, sollen auch 24-Stunden Kitas vermehrt gefördert werden.
- Kitapersonal muss besser auf die Schulung von nicht deutschsprachigen Kindern geschult werden. Wir fordern daher, Förderungsmaßnahmen im Sinne einer abgestuften Version der Anforderungen für Sprachförderungskräfte in die reguläre Ausbildung zum Erziehenden zu integrieren sowie entsprechende Fördermaßnahmen in Form einer Weiterbildung allen Erzieherinnen und Erziehern bereitzustellen. Parallel soll auf die Stärkung der gesellschaftlichen Betrachtung von pädagogischen Fachkräften in Kitas hingewirkt werden.
- Die gezielte alltagsintegrierte Sprachbildung sowie die additive Sprachförderung soll im Alltag aller Kitas ausgebaut und verbindlich integriert werden. Hierzu sollen die bestehenden Stellen für Sprachförderungskräfte ausgebaut werden. Ein entsprechendes Konzept, das flächendeckend in Hamburg anwendbar ist, soll vom Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung in Schulen entwickelt werden. Hierdurch entstehenden Mehrkosten soll das Land tragen. Die Höhe der finanziellen Förderung durch das Land soll sich an dem bestehenden Bedarf an Sprachförderung der jeweiligen Kitas orientieren.
III. Maßnahmen in Schulen
Aufgrund der bestehenden Migration in unsere Stadt von bereits schulpflichtigen Kindern und einer Übergangsphase bis zur Anwendung des Konzeptes wird auch das obige Förderkonzept nicht alle Kinder, die einen Förderbedarf haben, erreichen. Wir fordern daher die Umsetzung folgenden Konzeptes:
Mit neu nach Hamburg gezogenen Kindern soll weiterhin, gemeinsam mit ihren Eltern – nach einem Lese- und Sprachtest – ein verpflichtendes Beratungsgespräch durchgeführt werden. Der bestehende Hamburger Weg der gezielten Sprachförderung anhand der bestehenden sprachlichen Fähigkeiten der Kinder ist ein richtiger Schritt. Die Potentiale Künstlicher Intelligenz (KI) sollen insbesondere hier genutzt werden. Fordern wir eine KI-unterstützte Sprachförderung in den Klassen.
Problematisch ist jedoch weiterhin die mangelhafte soziale und sprachliche Durchmischung von Kindern in Hamburgs Schulen. Dass Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, jene und eben nicht vorrangig Deutsch mit ihren gleichsprachigen Klassenkameraden sprechen, ist eine logische Folge. Dies kann dazu führen, dass in der Schule ein mögliches sprachliches Defizit nicht hinreichend ausgeglichen werden kann, sogar nach dem Besuch einer Förderklasse.
Wir fordern daher, die Sprachförderklassen in ihren verschiedenen Formen dezentral an möglichst viele verschiedene Schulen anzubinden. Wichtig ist hierbei, dass ein lückenloses Fortschreiten von einer in die nächste Förderklasse innerhalb der Schulen möglich ist, um bestehende soziale Gefüge der Kinder nicht zu zerreißen.
Weiterhin soll auch die Schulsozialarbeit in Hamburg ausgeweitet werden. Den Vorstoß der Landesregierung mit der Schaffung von 102 neuen Stellen von Schulsozialarbeitern unterstützen wir. Einer maximalen Unterstützung von Lehrkräften genügt die von der Landesregierung angestrebte Zahl jedoch bisweilen nicht.
Auch den immer schlechter werdenden Zustand der psychischen Gesundheit von Schülerinnen und Schülern – insbesondere der Verarbeitung von möglichen Traumata von Krieg oder Fluchten, aber auch anderen psychischen Krankheiten – soll durch den Ausbau des schulpsychologischen Dienstes in Hamburg Rechnung getragen werden. Langfristig fordern wir den Ausbau von Schulpsychologen an möglichst allen Hamburger Schulen, um entstehende oder bestehende psychische Herausforderungen von Schülerinnen und Schülern möglichst gut und frühzeitig vorbeugen zu können.