22.11.2025

Call Me Maybe: Schnelle Hilfe am Hauptbahnhof

Der Hamburger Hauptbahnhof ist einer der am stärksten frequentierten und sicherheitsrelevanten Orte Deutschlands: Täglich halten sich dort über eine halbe Million Menschen auf. Viele Besucher und Pendler empfinden insbesondere in den Abend- und Nachtstunden ein erhöhtes Unsicherheitsgefühl. Trotz bestehender Maßnahmen, wie verstärkter Präsenz von Sicherheitskräften, Kameraüberwachung und Beleuchtungskonzepten, kommt es immer wieder zu Situationen, in denen Personen Unterstützung benötigen, jedoch Hemmungen haben, einen Notruf abzusetzen oder ihren Standort präzise mitzuteilen. Alleine 2024 kam es am Hamburger Hbf zu 3.680 registrierten Straftaten.

Mit dem Projekt SafeNow wurde bereits ein niedrigschwelliges, digitales Alarmierungssystem erfolgreich getestet. Die App ermöglicht es Betroffenen, mit nur einem Knopfdruck Hilfe anzufordern, ohne über Sprachkenntnisse oder genaue Ortskenntnis verfügen zu müssen. Dies erleichtert ein zielgerichtetes Eingreifen von Sicherheitskräften besonders an einem komplexen und unübersichtlichen Ort wie dem Hamburger Hauptbahnhof.

Während des rund 20-monatigen Pilotbetriebs wurden über 600 Alarme ausgelöst, ein deutlicher Hinweis auf die tatsächliche Nutzung im Bedarfsfall, sowie die Notwendigkeit eines solchen Systems. Eine stärkere Bewerbung hätte voraussichtlich zu noch deutlich höheren Nutzerzahlen geführt.

Im Vergleich zu baulichen oder personellen Maßnahmen ist die App kosteneffizient: Der laufende Betrieb kostet nach bisherigen Schätzungen lediglich rund 5.000 Euro pro Monat. Für einen Verkehrsknotenpunkt mit solch einer hohen Besucherfrequenz ist dies ein geringer finanzieller Aufwand, um Sicherheit und subjektives Sicherheitsgefühl maßgeblich zu stärken.

Dabei ersetzt die App weder den Notruf, sondern ergänzt ihn sinnvoll. Sie bietet insbesondere in Situationen mit Sprachbarrieren, Unsicherheiten oder eingeschränkter Kommunikationsfähigkeit eine leicht zugängliche Möglichkeit, Hilfe anzufordern. Datenschutzrechtliche Anforderungen sind durch bestehende technische Standards erfüllbar; die Standortübermittlung erfolgt ausschließlich im Alarmfall und nur zur Bearbeitung des Notrufs.

Die Jungen Liberalen Hamburg fordern die Hamburgische Bürgerschaft sowie die zuständigen Fachbehörden auf, das Projekt der Hilferuf-App SafeNow am Hamburger Hauptbahnhof wieder einzuführen und dauerhaft zu etablieren. Dazu gehören insbesondere:

  1. Verbindliche Integration der App in die Alarm- und Einsatzprozesse von DB-Sicherheit, Bundespolizei und weiteren Sicherheitsakteuren.
  2. Verstärkte Informations- und Öffentlichkeitsarbeit, um das Angebot sichtbar zu machen und die Nutzung zu erhöhen.
  3. Fortlaufende Evaluation hinsichtlich Wirksamkeit, Nutzungshäufigkeit und Nutzerzufriedenheit.
  4. Prüfung einer finanziellen Beteiligung der Stadt Hamburgbei der Beschaffung der App zur Sicherstellung des langfristigen Betriebs.
  5. Prüfung der Ausweitung des Systems auf weitere stark frequentierte öffentliche Orte in Hamburg bei positiver Evaluierung.

Weitere Beschlüsse

14.02.2026

Exzellente Forschung, miserable Bedingungen? Hamburg zum echten Hochschulstandort entwickeln

Hamburg versteht sich als weltoffene Metropole, Innovationsstandort und Stadt der Wissenschaft. Doch dieser Anspruch gerät trotz des erneuten Gewinns mehrerer...
14.02.2026

Deutscher werden? – Juden, Frauen und LGBTQIA+ achten!

Der Einbürgerungstest ist ein wesentlicher Bestandteil des formalen Integrationsprozesses für jeden Ausländer, der Deutscher werden möchte – die Verleihung der...
14.02.2026

KI-Kompetenzen in der schulischen Bildung verankern

Die Jungen Liberalen Hamburg sind der Überzeugung, dass KI verbindlich, fächerintegriert und pädagogisch sinnvoll eingesetzt werden soll – als Werkzeug,...